Abfallwirtschaft im Wandel
eine Betrachtung im Rückspiegel am Beispiel der Stadt Fürth
Der Rahmen
Lage und Bevölkerung
Mit ca. 110 000 EW zählt Fürth zu den größeren Städten in Bayern. Sie ist aufs engste verflochten mit der benachbarten Großstadt Nürnberg (ca. 450 Tsd.EW) und der Universitätsstadt Erlangen.
Der Ausländeranteil Fürths ist mit 15,2 % relativ hoch. Mit 38 % dominiert die türkische Bevölkerung, gefolgt von Griechen mit 14 % und Italienern mit 7,5 %. Stadträumlich konzentriert sich die ausländische Bevölkerung auf die Innenstadt mit Anteilen von bis zu 42 %.
Lage und Bevölkerungsstruktur Fürths stellen somit besondere Anforderungen an die Abfallwirtschaft, bspw. hinsichtlich interkommunaler Kooperationsmöglichkeiten innerhalb eines gemeinsamen Oberzentrums; oder eines erhöhten Aufwandes bei der Abfallberatung und der Öffentlichkeitsarbeit als Folge des hohen Ausländeranteils.
Gebäude und Wohnungsbestand
Der Gebäude- und Wohnungsbestand einer Stadt ist wegen der Sammellogistik, die in hohem Maße die Wirtschaftslichkeit der Müllabfuhr bestimmt, eine weitere wesentliche Rahmenbedingung für die Abfallwirtschaft. So ist bspw. der Sammelaufwand in Einfamilien- bzw. Reihenhausgebieten mit kleinvolumigen Sammelgefäßen ungleich höher als im mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Müllgroßbehältern.
Fürth hat 16.250 Wohngebäude, davon 11240 (d. sind fast 70 %) Ein- und Zweifamilienhäuser und 5000 (ca. 30 %) Mehrfamilienhäuser. Diese. Wohngebäude beherbergen insgesamt 55 800 Wohnungen. Das Übergewicht im EF-Hausbestand ist ein erster deutlicher Hinweis auf einen relativ hohen Sammelaufwand der kommunalen Abfallwirtschaft.
Gewerbe und Beschäftigte
Die Wirtschaftsstruktur einer Kommune bildet neben ihrer Bevölkerungs- und Wohnstruktur eine weitere wesentliche Rahmenbedingung für ihr abfallwirtschaftliches Handeln. Diese im Grundsatz richtige These ist allerdings -zumindest für die kommunale Abfallwirtschaft- vor dem Hintergrund des KrWAbfG erheblich einzuschränken, wie die nachfolgende "Gewerbemüll-Statistik" belegt.
Gleichwohl lohnt ein kurzer Blick auf die Wirtschaftsstruktur unserer Stadt:
- Im Produzierenden Gewerbe sind in Fürth insgesamt 72 Betriebe mit 10 800 Beschäftigten angesiedelt. Hauptbranchen sind der Maschinenbau (9 Betriebe mit ca. 1700 Besch.) die Rundfunk-, Fernseh- u. Nachrichtentechnik (4 Betriebe mit insges. 1300 Besch.) sowie die Herstellung von Metallerzeugnissen (7 Betriebe mit insges. 950 Besch.).
- Neben dem prod. Gewerbe beherbergt Fürth ca. 92 industr. Kleinbetriebe mit insges. 500 Beschäftigten.
- Im Bauhauptgewerbe (d.s. Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten) weist die Statistik 8 Betriebe mit insges. 254 Arbeitnehmern aus.
- Im Handwerk sind insges.693 Betriebe tätig, wobei die Metall- u. Elektrobranche mit 262 Betrieben eindeutig dominiert Im Einzelhandel sind in 689 Arbeitsstellen insges. 4770 Menschen beschäftigt; der Kfz Handel umfasst insges. 117 Arbeitsstätten, davon 13 Tankstellen.
- Im Gastgewerbe arbeiten ca. 1400 Beschäftigte in 300 Arbeitsstätten.
Das Abfallwirtschaftskonzept
Ausgangspunkt für die folgende Darstellung des Abfallkonzeptes bildet das vom Stadtrat 1986 beschlossene Müllkonzept für die Stadt Fürth.
Bundesweit war zu diesem Zeitpunkt ein kurzfristig befürchteter Entsorgungsnotstand Anlass für eine völlige Neukonzeption der Abfallwirtschaft auf allen Ebenen. Enorm hohe Restmüllmengen ließen auch in Fürth die Kapazitäten der als einzige Entsorgungsmöglichkeit zur Verfügung stehenden Deponie zunehmend schrumpfen. Bei jährlichen Abfallmengen von über 80 000 Tonnen war ihr Ende bereits für die ausgehenden 80er Jahre prognostiziert. Unter diesen Voraussetzungen galt es ein Konzept zu entwickeln, das kurzfristig eine deutliche spürbare Reduzierung der Müllmengen bewirkte, gleichzeitig aber grundsätzliche Maßnahmen für eine langfristige Entsorgungssicherheit vorsah.
Das Müllkonzept hatte daher folgende Ziele formuliert:- Abfallvermeidung mit dem erforderlichen satzungs- und ordnungsrechtlichen Instrumentarium
- Abfallverwertung u.a. durch Aufbau eines verdichteten Containernetzes für feste Wertstoffe, die Einrichtung von Recyclinghöfen, Problemmüllsammlung, Biomüllsammlung und -verwertung
- Abfallentsorgung über die Gründung eines Zweckverbandes mit benachbarten Landkreisen, dem die Aufgabe zur Planung, Errichtung und Betrieb einer thermischen Entsorgungsanlage übertragen wurde
- eine intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Umsetzung der dargestellten Maßnahmen im konkreten Handeln beim Bürger und bei Betrieben.
Sämtliche Bestandteile dieses Konzeptes wurden im Laufe der vergangenen 14 Jahre mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt; zu den weniger erfolgreichen Maßnahmen zählt sicherlich die Restmüllentsorgung i.F. der Schwellbrenn-Anlage. An ihre Stelle ist aktuell die thermische Restmüllentsorgung mit der Nachbarstadt Nürnberg getreten.
Eine Bilanz über Qualität und die quantitativen Auswirkungen der stetig verfeinerten abfallwirtschaftlichen Maßnahmen ermöglicht die Analytik der Abfallstatistik von 1987 bis 1999.
Die Abfallstatistik 1987 bis 1999
Folgende Entwicklungstendenzen der städtischen Abfallwirtschaft lassen sich aus der Entwicklung der Abfallmengen innerhalb dieses Zeitraumes ablesen:
Das Abfallaufkommen, definiert als die Summe aller Abfälle, die an städt. Entsorgungs- und Verwertungseinrichtungen erfasst wurden, hat sich im Zeitraum 1987 - 1999 um insgesamt 25 000 t verringert, d.s. ca. 29 % der Ausgangsmenge im Jahre 1987.
Graphik 1:"Die Entwicklung des Abfallaufkommens Im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung" Zwei konträre Entwicklungstendenzen sind dabei auffällig.
Die Gewerbemüllmenge hat sich von fast 47 000 t auf 4500 t verringert, das Abfallaufkommen aus Privathaushalten, ist von 37 000 t auf insgesamt fast 55 000 t gestiegen.
Die Entwicklung des Gewerbemülls
Die drastische Reduzierung des gewerbl. Abfalls ist vor dem Hintergrund folgender kommunaler Maßnahmen, aber auch bundesweit geltender abfallrechtlicher Entwicklungen zu bewerten.
1988 wurde von der Kommune eine Trenn- und Verwertungspflicht für gewerbl. Abfälle eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt wurden strenge Kontrollmaßnahmen bei der Anlieferung des Gewerbemülls getroffen und wiederverwertbare Stoffe von der Deponie ausgeschlossen.Ein äußerst wirksames Instrument bildete daneben die Anhebung der Deponiegebühren. Galt bis Mitte 1989 noch ein Preis von 22,-- DM/t, so brachte die Erhöhung der Deponiegebühr auf 62,-- DM eine erste wirksame Reduzierung der gewerbl. Abfallmengen. Weitere drastische Gebührenerhöhungen bis auf 275,-- DM im Jahr 1993 hatten neben ihrer mengenreduzierenden Wirkung insbesondere die im letzten Jahr vollendete Sanierung der Deponie ermöglicht und gleichzeitig Mittel für eine langfristige Nachsorge geschaffen.
Parallel zu den gen. Restriktionsmaßnahmen wurde die Abfallberatung eingerichtet; zu Beginn ihrer Tätigkeit befasste sie sich schwerpunktmäßig mit der Beratung von Gewerbebetrieben.
Bundesweit trat 1993 die Verpackungsverordnung in Kraft; auch darauf reagierte das Gewerbe mit dem Aufbau eigener Verwertungsschienen und Vermeidungsstrategien außerhalb der kommunalen Abfallwirtschaft.
Der Trend zur privatwirtschaftlichen Entsorgung verstärkte sich mit dem Krw-/AbfG, so dass es für die komm. Abfallstatistik zunehmend schwierig bzw. unmöglich ist, das tatsächliche Abfallaufkommen aus dem Gewerbe zu erfassen. Die Entsorgungsstatistik des Gewerbemüllaufkommen wird dadurch zur Makulatur.
Die Entwicklung des Abfallaufkommens aus Privathaushalten in der Stadt Fürth
Im Unterschied zum gewerblichen Bereich kann die Entwicklung des Abfallaufkommens bei Privathaushalten (noch) fast lückenlos erfasst und sehr differenziert analysiert werden.
Dabei fällt eine Tatsache ins Auge, die in der öffentl. Diskussion oft verdrängt wird. Das Abfallaufkommen aus Privathaushalten ist seit 1987 stetig angestiegen,
- von 1987 - 1999 um insgesamt 47 %,
- von 1990 - 1999 um 28 % und
- von 1995 - 1999 um ca. 7 %.
Vor diesem Hintergrund ist zu konstatieren, dass das gesetzlich verankerte Ziel der Abfallvermeidung im Abfallverhalten der privaten Haushalte keine Wirkung zeigt. Die seit 1987 erreichte Entspannung "bei den Entsorgungskapazitäten" ist ausschließlich auf Abfallverwertung zurückzuführen.
Die Abfallverwertung
Beeindruckende statistisch belegte Erfolge weisen die umfangreichen Bemühungen in der Abfallverwertung auf. Diese Entwicklung schlägt sich in folgenden Abfallarten und -zahlen nieder:
Der 1987 von der komm. Müllabfuhr erfasste Hausmüll betrug ca. 30 000 t. Die Abfallverwertung steckte zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen, lediglich Papier und Glas werden im nennenswerten Umfang (5 600 t) für eine nachfolgende Verwertung erfasst.
Graphik 2:"Die Entwicklung des Restmülls und der Abfallverwertung aus Privathaushalten"
Über konsequente Verwertungsmaßnahmen wird die Restmüllmenge - d.i. der nicht verwertbare Anteil am Hausmüllaufkommen - bis 1995 um mehr als die Hälfte (53 %) reduziert; mit geringfügigen Abweichungen wird dieses Mengenniveau seitdem gehalten.
Im mehr als doppelt so großen Umfang, ist die Menge der verwerteten Abfälle von 5 600 t im Jahre 1987 auf insgesamt 37 600 t im Jahre 1999 angestiegen. Ca. 48 % (18 000 t) entfallen auf die Verwertung sog. fester und 52 % (19 000 t) auf die von organischen Abfällen.
Die Mengenentwicklung der einzelnen Jahre spiegelt den zeitlichen Ausbau des Verwertungssystems der komm. Abfallwirtschaft in Kooperation mit Vertragspartnern der privaten Entsorgungswirtschaft wider.
Graphik 3:"Die Entwicklung der Abfallverwertung sog. "feste" Wertstoffe"
Folgende betriebliche Maßnahmen als Schwerpunkte des Verwertungskonzeptes für feste Wertstoffe seien hervorgehoben:
Die Verdichtung des Containernetzes von ursprünglich 50 Standorten auf aktuell ca. 180 zur Erfassung von Papier, Glas und metallischen Verpackungen. Wegen erheblicher Sauberkeitsprobleme des Mehrkammer-Containersystems wird die Wertstofferfassung 2000 mit der flächendeckenden Einführung der blauen Tonne und der Substition der Mehrkammer Container durch Altglas-Iglus neu gestaltet. Es zeigt sich bereits jetzt, dass damit die Erfassungsquote von Papier um etwa 15 % angestiegen ist und die Sauberkeit um die Container-Standorte erheblich verbessert wurde.
1993/94 wurde die Wertstofferfassung der Kommune vom DSD übernommen und um die Sammlung von Verkaufsverpackungen im gelben Sack ergänzt. Die Erfassung von durchschnittl. jährlich 1300 t Verkaufsverpackungen mit fast gleich hohen "Sortierrestmengen" erbrachte für die kommule Abfallwirtschaft kaum eine nennenswerte Entlastung. Deutlich spürbar wurden hingegen hohe Einnahmensverluste im Gebührenhaushalt, die aus der massenhaften Abbestellung von Restmülltonnen resultierten.
Eine wesentliche Ergänzung der genannten Sammelsysteme stellt der Betrieb von 2 Recyclinghöfen im Stadtgebiet dar. Durchschnittl. 2 700 t fester Wertstoffe und mehr als 300 Stück Kühlgeräte werden jährlich über diese Einrichtungen erfasst.
Seit 2000 erfasst die Stadt i.R. der Sperrmüllsammlung und an den Wertstoffhöfen auch Elektronikschrott.Trotz Gebührenpflicht könnten auf diese Weise etwa 3700 Geräte der Kategorie Braune Ware, 4300 Großelektrogeräte (Waschmaschinen, Trockner, etc.) und über 2800 Fernseher- und EDV-Hardware gesammelt und einer Verwertung zugeführt werden.
Die Verwertung organischer Abfälle
Den bedeutendsten Beitrag zur Reduzierung der Restmüllmengen lieferte die Verwertung der organischen Abfälle. Auch hier spiegeln die Jahresmengen die zeitlichen Stufen des Ausbaus der Sammlung und Verwertungsinfrastruktur wider.
Graphik 4:"Die Entwicklung der Verwertung "organischer" Abfälle"
Den Startpunkt für die organische Verwertung bildete das Jahr 1988 mit dem Bau der Kompostanlage im Ortsteil Burgfarrnbach, die 1990 erweitert wurde. Allerdings reichte die Kapazität dieser Anlage für die Verwertung der stetig steigenden Biomüllmengen bei weitem nicht aus. Ein im organischen Verwertungskonzept geplanter zweiter Standort, war aufgrund erheblicher Widerstände in den betroffenen Stadtteilen nicht durchsetzbar. Der Kompostplatz stieß damit an seine verfahrenstechnischen Grenzen, erhebliche Geruchsprobleme führten letztlich zur Suche nach privaten Verwertungspartnern.
Seit 1994 wird Biomüll flächendeckend im gesamten Stadtgebiet erfasst.
Aktuell kooperiert die städt. Abfallwirtschaft mit insgesamt 4 privatwirtschaftlichen Verwertungspartnern. Diese Unternehmen verwerten jährlich ca. 11 000 t Biomüll aus Privathaushalten, der jeweils etwa zur Hälfte über die Vergärung mit nachfolgender Biogasverwertung sowie über Kompostierung verarbeitet wird. Am stadteigenen Kompostplatz werden ausschließlich Grün- und Gartenabfälle im jährlichen Umfang von 8 600 t verarbeitet. Mit durchschnittl. 40 DM/t zählt die kommunale Kompostierung zu den kostengünstigsten Verwertungseinrichtungen der städt. Abfallwirtschaft.
SperrmüllEine auffallende Besonderheit in der Abfallentsorgungsstatistik stellt das Sperrmüllaufkommen dar.
Graphik 5:"Entwicklung des Sperrmüllaufkommens"
Folgende Entwicklungen sind beim Sperrmüll zu beobachten:
- die Sperrmüllabfuhr wird zunehmend für die Entrümpelung ganzer Wohnungsbestände genutzt; in zunehmendem Umfang fällt beim Sperrmüll Elektronikschrott an; nicht zuletzt aus Gründen der Gebührengerechtigkeit hat die Kommune daher ab 2000 die Gebührenpflicht für die Elektronikschrott-Entsorgung eingeführt; mit den Einnahmen sollen zumindest die Kosten der Verwertung ausgeglichen werden. die Möglichkeit Sperrmüll kostenlos an den Recyclinghöfen abzugeben, wird im zunehmenden Umfang genutzt; so wird etwa die Hälfte (ca. 2000 t) des Sperrmüllaufkommens über die Recyclinghöfe erfasst; der zeitlich uneingeschränkte Abholservice für Sperrmüll hat zu einem erheblichen Anstieg des Transport- und Arbeitsaufwandes bei der Müllabfuhr gesorgt, weshalb i.R. einer Satzungsänderung die kostenlose Sperrmüllabholung auf 2 x p.a. und Objekt eingeschränkt wurde.
Zusammenfassung:
Im Rückblick auf die Abfallentwicklung der letzten 14 Jahre des 20. Jahrhunderts lassen sich zusammenfassend folgende Tendenzen festhalten:
- statistisch ist die Verringerung des Gesamt-Abfallaufkommens auf den Gewerbemüll zurückzuführen; dass die Statistik in diesem Bereich jedoch die tatsächliche Entwicklung darstellt ist mehr als zweifelhaft, da sich der Gewerbemüll spätestens mit dem KrWi/AbfG der Erfassung über die kommunale Entsorgungsstatistik entzieht;
- das Abfallaufkommen aus privaten Haushalten ist insgesamt stetig angestiegen. Im konsumtiven Verhalten der Privathaushalte ist Abfallvermeidung nicht wirksam;eine Strategie, die tatsächlich Abfall vermeiden soll, kann daher nicht beim Warenkonsum (end of pipe) ansetzen, sie muss sich verstärkt der Produktion und der Verteilung von Wirtschafts- und Konsumgütern widmen.
Hand in Hand mit soziökonomischen Tendenzen hat sich die Zusammensetzung des Abfalls stark verändert; Kunststoffe und -verbunde in der Konsumgüter-Verpackung sowie vermehrter Elektronikschrott als Folge der rasanten Entwicklung der Unterhaltungs- und Computerindustrie sind deutliche Indizien hierfür. Bei Elektronikschrott und Papier tragen nach wie vor die Kommunen die Entsorgungslasten. Eine Kostenverteilung über das Verursacherprinzip wäre auch in diesen Bereichen wünschenswert und längst hinfällig.
Die Halbierung des Restmüllaufkommens, das zur Entsorgung ansteht, ist auf ein umfangreiches Erfassungs- und Behandlungssystem der Abfallverwertung zurückzuführen, das -mit Ausnahme der Verpackungsabfälle des DSD- ausschließlich von den Kommunen aufgebaut und ständig verfeinert wurde. Bei den verwertbaren Abfällen halten sich feste Wertstoffe (Papier, Glas, Metall, etc.) und organische in etwa die Waage.
Nicht unkritisch zu sehen sind in diesem Zusammenhang die über das DSD erfassten geringen Verpackungsmengen bei Kunst- und Verbundstoffen (gelber Sack) mit gleich hohen, nicht verwertbaren Restmüllmengen. Die Frage nach der ökonomischen wie ökologischen Sinnhaftigkeit einer Abfallverwertung mit Kosten von mehr als 2000 DM pro erfasster Stoffmenge ist nach wie vor aktuell, eine Novellierung der VerpVO mit Konzentration auf eine ökonom. vertretbare und ökologisch sinnhafte Verwertung längst überfällig.
Das in Fürth kläglich gescheiterte Schwelbrenn-Verfahren zeigt, dass Experimente in der thermischen Abfallentsorgung nur mit größter Vorsicht zu genießen sind. Auch in der westmittelfränkischen Müllpolitik bahnt sich eine ähnliche Wende an. Nach aktuellen Zeitungsberichten gibt es auch Ansbach deutliche Anzeichen dafür, dass die Inbetriebnahme der umstrittenen Thermoselect-Anlage als gescheitert anzusehen ist.
Immerhin hat der Faktor Zeit mit dem Aufbau einer umfangreichen Verwertungsinfrastruktur und drastisch reduzierten Restmüllmengen eine Entsorgungsvereinbarung mit der Nachbarstadt Nürnberg ermöglicht, die zum Ausgangspunkt des Abfallwirtschaftskonzeptes nicht möglich gewesen wäre.
Fürth, im April 2001
Umweltplanung der Stadt Fürth